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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#21Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 27. Apr 2011, 19:38 
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Zitat:
Warnschussarrest: Union pocht auf schnelle Einführung

Berlin (dpa) - Nach wiederholten Gewaltexzessen in Berliner U-Bahn-Stationen dringt die Union auf die schnelle Einführung eines Warnschussarrests für junge Täter. Er soll bei einer ansonsten zur Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe angeordnet werden können und maximal vier Wochen dauern.

Unions-Fraktionsvize Günter Krings (CDU) sagte: "Es muss der Vergangenheit angehören, dass Jugendliche ihre Bewährungsstrafen als Trophäen vorzeigen."

Das Justizministerium arbeitet an einem Gesetzentwurf, der etwa um Pfingsten vorliegen soll, wie eine Sprecherin von Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bestätigte. Union und FDP hatten bereits in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, einen Warnschussarrest einzuführen. Ebenso vereinbarten die Parteien damals, die Höchststrafe bei einer Verurteilung wegen Mordes nach dem Jugendstrafrecht für Heranwachsende von 10 auf 15 Jahre anzuheben. Nach einem Bericht der "Passauer Neuesten Nachrichten" (Mittwoch) soll dieses nun ebenfalls in den Gesetzentwurf einfließen.

weiter lesen: http://web.de/magazine/nachrichten/pano ... #.A1000145

_________________
Die Wahlversprechen von gestern sind die Lügen von heute.
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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#22Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 27. Apr 2011, 20:05 
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Das habe ich heute auf gmx zu dem Fall mit dem Anwaltssohn geschrieben:

Zitat:
Anfangs hatte ich mich etwas über die freimütige Auskunft des Haupttäters, er habe seine Aggressionen an irgendjemanden auslassen wollen, gewundert. So ein Motiv ist ja nicht gerade strafmildernd, sollte man meinen.

Inzwischen habe ich mich kundig gemacht, die Aussage ist seeeehr gut überlegt, vermutlich vom Papa oder einem anderen Anwalt vorformuliert. Der Bursche hat nämlich ein kleines Problem mit der variablen Altersgrenze zwischen Jugend- und Erwachsenenstrafrecht (18 - 21 Jahre). Als asozialer 18 - jähriger Straßenschläger mit abgebrochener Schulausbildung und ohne Berufsausbildung würde ihm sehr wahrscheinlich eine "Reifeverzögerung" bescheinigt, wer aber mit 18 in der gymnasialen Oberstufe oder in einer Berufsausbildung gut in der Zeit ist, macht einen vernünftigen und keinen reifeverzögerten Eindruck und läuft Gefahr, im Falle einer Straftat nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt zu werden.

Also brauchen sie andere Belege für eine Reifeverzögerung:

1. Frust und Aggression so abzubauen ist nach der Rechtsprechung jugendtypisch.

2. Söhnchen wohnt noch zu Hause und eifert beruflich dem Papi hinterher, auch jugendtypisch.

Den Vollrausch werden sie abflutungstechnisch vielleicht auch noch irgendwie hindrehen können, obwohl das Video keineswegs einen volltrunkenen Täter zeigt. Das sind ja Fachleute. Wenn dann auch noch die Beziehungen zu Richtern und Staatsanwälten o. k. sind, vielleicht Studienkollegen o. ä., steht der Bewährung nichts mehr im Wege.

Heikel wird es erst wieder, wenn er tatsächlich Jura studieren und mit einer hohen Bewährungsstrafe das Referendariat machen will. Dazu muss man für etwas über 2 Jahre "Beamter auf Widerruf" werden, das ist in so einem Fall ein echtes Hindernis.

Aber wenn die Beziehungen gut sind, werden sie das auch noch irgendwie umschiffen - falls der Bursche überhaupt Jura studieren will und das nicht nur gesagt hat, um die Reifeverzögerung zu untermauern.

Wer richtig gute Beziehungen hat, der verliert ja noch nicht einmal durch eine Kokainaffäre die Anwaltszulassung, obwohl Drogenabhängigkeit ein absolutes "no go" in dem Metier ist. Dafür entziehen sie sogar Chefkochs die Gewerbeerlaubnis und Anwälten normalerweise selbstverständlich die Zulassung.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#23Ungelesener BeitragVerfasst: Fr 29. Apr 2011, 16:57 
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Das habe ich heute auf dem neuen gmx - thread "Alkoholverbot in U-Bahnen?" geschrieben:

Zitat:
In diesem Fall scheint die "Kuscheljustiz" an einen unbequemen Nebenkläger geraten zu sein:

"Opfer-Jurist Thomas Kämmer: „Wir werden Strafanzeige wegen versuchten Mordes aus niederen Beweggründen erstatten. Die Tat passierte mit menschenverachtendem Vernichtungswillen. Daran gibt es keinen Zweifel, wenn man sich die Bilder anschaut.“"

http://www.bild.de/news/inland/koerperverletzung/kuschel-justiz-gibt-mir-einen-tritt-ins-gesicht-17630276.bild.html

In vielen anderen Fällen solcher Exzesse willkürlicher Gewalt liegen auch Mordmerkmale wie "Mordlust" oder "andere niedrige Beweggründe" vor, letzteres ist laut BGH gegeben, wenn Emotionen wie Wut, Hass, Rachebedürfnis usw. ihrerseits auf niedrigen Beweggründen beruhen oder den Willen zum Ausdruck bringen, grundlos zu töten.

Die Gerichte wollen den typischen Straßenschläger nur nicht die Zukunft verbauen ("ist ja nur das kritische Alter bei jungen Männern zwischen 16 und 24", das läuft da in allen Köpfen als Hintergrundprogramm mit) und den meisten Opferanwälten ist an einem reibungslosen schnellen Verfahren gelegen, das ihre Mandanten psychisch schont und hinsichtlich der Entschädigungsfrage zumindest keine Nachteile gegenüber einer zutreffenden Verurteilung wegen versuchten Mordes bedeutet.

Also einigen sich alle "unter der Hand" auf versuchten Totschlag. Wenn dann auch noch wie in diesem Fall hier die Sozialprognose hervorragend ist, kommt bei diesem fait accompli aller Beteiligten, gegen das Gesetz statt wegen versuchten Mordes lieber auf versuchten Totschlag zu erkennen, auch noch eine Bewährungsstrafe anstatt einer sehr hohen Zeitstrafe für versuchten Mord (auch nach Jugendstrafrecht ca. 10 Jahre) dabei heraus.

Dass das bei dieser kritischen Gruppe von 16 bis 24-jährigen jungen Männern als Feifahrtschein aufgefasst werden könnte und bei vielen friedlichen Bürgern der Eindruck entsteht, willkürlicher Gewalt ausgeliefert zu sein, ist für die mit dem jeweiligen Einzelfall befassten Experten anscheinend zu fernliegend, damit meinen sie nichts zu tun zu haben.

So eine Entwicklung der Rechtspraxis hat sich zur Zeit der Entstehung des Grundgesetzes ganz sicher keiner der Autoren / Autorinnen vorstellen können.

Da heißt es:

"Artikel 1.

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu SCHÜTZEN IST VERPFLICHTUNG aller staatlichen Gewalt.

(...)"


gmx.de > Alkoholverbot in U-Bahnen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#24Ungelesener BeitragVerfasst: Fr 29. Apr 2011, 22:14 
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Friedans hat geschrieben:
GasGerd hat geschrieben:
Da heißt es:

"Artikel 1.

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu SCHÜTZEN IST VERPFLICHTUNG aller staatlichen Gewalt.

Mir hat die Vizepräsidentin Frau Kisyra vom Landgericht Potsdam mitgeteilt, das man sich bis zu einem Betrag von 600 Euro von jeden beklauen lassen muss.
Als Bürger hat man kein Recht gegen Betrug und Rechtsbeugung vorzugehen
Begründung: Keine Aussicht auf Erfolg § 114 Abs. 1 ZPO
Auch ein Richter darf im Auftrag Dritter klauen.


"keine Aussicht auf Erfolg" heißt nicht, daß man kein Recht habe, gegen Betrug und Rechtsbeugung vorzugehen. Es heißt wohl eher, daß man keine Aussicht hat, die erhobenen Vorwürfe auch zu belegen / zu beweisen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#25Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 30. Apr 2011, 17:22 
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Zitat:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu SCHÜTZEN IST VERPFLICHTUNG aller staatlichen Gewalt.


Wir haben es heutzutage nicht nur mit Urteilen gegen Gewaltkriminelle zu tun, die kaum geeignet sind, dieser Verpflichtung nachzukommen, sondern auch noch mit Urteilen gegen erfolgreiche Verteidiger in Notwehrsituationen. Hier ein Aufsatz eines Juraprofessors zu dem berüchtigten Urteil gegen den Informatikstudenten Sven G., der sich mit einem Messerstich in den Hals des Haupttäters erfolgreich gegen eine Schlägertruppe gewehrt hatte und dafür zu fast 4 Jahren Gefängnis verurteilt wurde:

"Volker Erb
Zur Aushöhlung des Notwehrrechts durch lebensfremde tatrichterliche Unterstellungen
- Zugleich eine Besprechung von LG München I, Urt. v. 9. 1.2009 - 1 Ks 121 Js 10 459/08 ( "Fall Sven G." ) -
NStZ 2011, 186-193"


Auszug:

Zitat:
Die Entscheidung ist in jeder Hinsicht unhaltbar und führt im Ergebnis zu einer gesetzeswidrigen Vertauschung der Rollen von Täter und Opfer. (..) Die bayerische Justizministerin ist aufgefordert, die Staatsanwaltschaft anzuweisen, ein [Wiederaufnahmeverfahren] zur Ausräumung des offenkundigen Justizunrechts unverzüglich und mit größtem Nachdruck von Amts wegen zu betreiben.


Und so etwas von einem Juraprofessor aus der 1. Reihe, dem Kommentator des § 32 im Münchener Kommentar zum StGB...

Der Mann hat natürlich vollkommen recht. Ich hoffe inständig, dass diese klaren Worte auch dem betriebsblindesten Strafrichter etwas auf die Sprünge helfen, bevor es nur wegen der beruflichen Deformationen von ein paar hundert Richtern zu ernsthafter Unruhe in Deutschland kommt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#26Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 30. Apr 2011, 17:24 
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Im April 2010 brachte Report München einen Beitrag mit dem Titel "Risiko Zivilcourage - wie Helfer zu Tätern werden". Leider kann ich diesen Beitrag in der ARD - Medathek nicht finden. Ich habe aber auf einem Forum ein Protokoll des Inhalts gefunden. Dort haben sich weitere Juraprofessoren sehr kritisch zu der gegenwärtigen Rechtsprechung in Sachen Notwehr / Nothilfe geäußert:

http://www.forumfuerdeutschland.de/articles.view.871.html?search=fazit

Zitat:
Risiko Zivilcourage

Sie sind dazwischen gegangen, als ein Mitbürger angegriffen wurde; sie haben Mut gezeigt. Für diesen Einsatz landeten sie vor Gericht und bekamen einen Strafbefehl. report MÜNCHEN über den fragwürdigen Umgang von Staat und Justiz mit Zivilcourage.


Nachgestellte Szene: Eine Busfahrt von Landshut nach Ergolding. Ein anscheinend betrunkener Fahrgast attackiert die anderen Insassen. Viele Fahrgäste kriegen Angst, verlassen den Bus. Nur einer kommt dem Busfahrer zur Hilfe, Christian Walter. Dabei verletzt er sich schwer an der Hand, kann fortan seinen Beruf nicht mehr ausüben. Christian Walter verliert seine Lebensgrundlage, seinen Job, wohnt jetzt wieder bei seinen Eltern. Sechs Jahre lang kämpft er um eine Rente, noch immer braucht er dringend notwendige Operationen.

report-Video: Risiko Zivilcourage: Wie Helfer zu Tätern werden Sie sind dazwischen gegangen, als ein Mitbürger angegriffen wurde; sie haben Mut gezeigt. Für diesen Einsatz landeten sie vor Gericht und bekamen einen Strafbefehl. report MÜNCHEN über den fragwürdigen Umgang von Staat und Justiz mit Zivilcourage.

Christian Walter:
"Man kann keine sozialen Aktivitäten mehr betreiben, man hat immer das schlechte Gefühl, das man das Geld der Eltern ausgibt. Das ist sehr entwürdigend. Menschenunwürdig, eigentlich."

Rückblende. September 2009: Der Fall Dominik Brunner entsetzt ganz Deutschland. Der Münchner hatte vier Kinder beschützt und das mit seinem Leben bezahlt.
Was folgt, ist ein Aufschrei des Entsetzens.

Uli Hoeneß, am "20.12.2009":
"Lassen Sie uns von unserem Recht auf Zivilcourage aktiv Gebrauch machen. Mischen wir uns ein, wenn es nötig ist und weisen wir die Gewalt in ihre Schranken!"
Horst Seehofer, am "14.09.2009":
"Wir versuchen alles Menschenmögliche zu tun, dass Leute, die Zivilcourage in unserem Lande einbringen, auch stärker geschützt werden."

Alles nur Lippenbekenntnisse?

Prof. Reinhard Böttcher, Vorsitzender Weißer Ring:
"Man kann nicht einerseits fordern, dass die Bürger Zivilcourage zeigen, und sich in Gefahrenlagen für den Mitbürger engagieren und ihn dann hängen lassen, wenn er dabei angegriffen wird, und Verletzungen erleidet. Das ist schmählich."

Szene nachgestellt: Ein anderes Beispiel. Eine Schule in der Nähe von Ahlen. Ein Schüler wird brutal von mehreren Jugendlichen verprügelt. Selbst als der Junge schon am Boden liegt, treten sie weiter auf ihn ein. Walter Petker sitzt im Auto, wartet auf seine Kinder. Für ihn ist schnell klar: Hier muss er einschreiten und dem wehrlosen Kind helfen.

Walter Petker:
"Ich bin direkt auf das liegende Kind zu, das immer noch am Boden lag und hab ihm gesagt, dass es jetzt Schutz hat, dass ihm nix passieren kann, dass er, wenn es ihm gesundheitlich möglich ist, aufstehen kann, wenn es ihm möglich ist."

Der Schlimmste der Schläger will sich aus dem Staub machen. Der Vater stellt die Angreifer zur Rede, die sollen sich beim Opfer entschuldigen.

Walter Petker:
"Da hab ich nur hinterhergerufen, weil ich die Situation wirklich feige fand, ob er jetzt ein feiger Pisser ist, oder ob er noch mal zurückkommt und sich wenigstens bei seinem Opfer entschuldigt."

Seine Zivilcourage wird vom Staatsanwalt beantwortet. Mit einem Strafbefehl wegen Beleidigung: 200 Euro soll der Nothelfer zahlen.

Walter Petker:
"Ich war mehr als perplex, ich konnte es erst gar nicht zuordnen, und nachdem ich es geöffnet hatte, hieß es plötzlich: Wegen Beleidigung. Das zieht einem die Beine weg. Das musste ich erst mal verdauen."

Erst nach massiven öffentlichen Protesten, aufgeregten Leserbriefen in Zeitung und Internet stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.

Prof. Werner Beulke, Lehrstuhl für Strafrecht, Uni Passau:
"Eins ist ganz klar: Bei dieser Sache mit dieser Vorgeschichte hätte der Staatsanwalt ganz unschwer einstellen können. Er hätte einstellen können ohne jede Sanktionierung."

Wie möglicherweise auch im nächsten Fall.

Szene nachgestellt: Tatort U-Bahn Station in München, Herbst 2009. Ein Betrunkener bedrängt eine Frau. Als die sich wehrt, kommt Passant Uwe W. zur Hilfe.

Uwe Walther:
"Es war zehn vor eins. Und dann auf einmal explodiert da vorn die Lage, zieht der eine aus und haut die Flasche ihr drüber."

Die Frau bricht schwer verletzt zusammen. Uwe W. ist sofort zur Stelle und hilft dem Opfer. Der Täter will sich aus dem Staub machen. Uwe W. will ihm die Flasche wegnehmen, bevor der Betrunkene weitere Menschen attackieren kann. Es kommt zum Handgemenge. Ein Schubser gibt den anderen, der Täter fällt auf die Gleise und bricht sich den Arm.

Uwe W. wollte helfen, doch das Gericht sieht das ganz anders. Es verurteilt den Helfer. Zu 600 Euro Strafe, wegen gefährlicher Körperverletzung. Wir konfrontieren das Gericht mit der Kritik an dem umstrittenen Urteil. Erklärungsversuche.

Ingrid Kaps, Pressesprecherin Amtsgericht München:
"Ich hab großes Verständnis dafür, dass es eine ganz schwierige Situation ist für jeden Einzelnen, der in eine solche Lage gerät. Aber ich denke, man muss sich immer vor Augen führen, dass Gewalt - ganz gleich, von wem - immer einer Rechtfertigung bedarf. Und das, glaub ich, kann man sich auch für sich selber merken: "Ist jetzt das Maß an Gewalt, das ich ausübe, tatsächlich jetzt noch der Situation angemessen, oder reagiere ich über?"

Aber kann der Helfer in solch einer Stresssituation überhaupt einschätzen, wie viel Gegenwehr gesetzlich erlaubt ist?

Prof. Werner Beulke, Lehrstuhl für Strafrecht, Uni Passau:
"Spontan kann man eben nicht so alles abwägen. Das ist die große Schwierigkeit in diesen Fallgruppen. Und die Richter sind dann zu juristisch. Das liegt an ihrer Ausbildung, an ihrer Mentalität, was sie auch sonst immer machen. Sie sind dann nicht lebensnah genug. Das muss man dann leider ganz ehrlich sagen."

Doch welche Auswirkungen haben solche Streitfälle auf die Bereitschaft auch künftig noch Zivilcourage zu zeigen?

Uni Göttingen. Eine Gruppe um Prof. Schulz-Hardt hat das Phänomen Zivilcourage erstmalig realitätsnah untersucht. Ein Feldversuch mit versteckter Kamera. Das Ergebnis: Erschreckend. Nur fünf Prozent der Untersuchten sind überhaupt bereit, helfend einzugreifen. Das belegen die Filmaufnahmen. Doch was, wenn genau diese wenigen Helfenden dann auch noch verurteilt werden?

Prof. Stefan Schulz-Hardt, Soziologe Uni Göttingen:
"Diese ganzen Urteile mögen juristisch alle völlig einwandfrei sein, aber wir haben ohnehin nur fünf Prozent von Menschen, die jedenfalls in unseren Experimenten, die sich zivilcouragiert verhalten, das heißt, wir haben in der Gesellschaft ohnehin nur relativ wenige Menschen, die Zivilcourage zeigen. Die könnten natürlich auch noch abgeschreckt werden, und dann sind wir vielleicht irgendwann mal bei Null."

Genau dieses Fazit hat auch Christian Walter für sich gezogen.

Christian Walter:
"Wenn man ehrlich ist, kann man nicht sagen, dass sich Zivilcourage lohnt. Es ist auf alle Fälle gesünder und für das weitere Leben besser, wenn man wegsieht."

Doch wegschauen, wenn einer Hilfe braucht: Das wäre eine fatale Entscheidung, die niemals Schule machen darf.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#27Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 30. Apr 2011, 20:24 
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ulliulli hat geschrieben:
also keine ahnung warum du den Hoeness zitierst und dann "alles nur lippenbekenntnisse?" fragst
der hat doch keinerlei befugnis in diesen sachen

und dann ist nach meiner erfahrung zivilcourage keine frage des nachdenkens - wer nachdenkt, macht sich eh ausm staub - irgendeine ausrede für sein versagen findet er schnell


ulli, alex hat nur den den text aus dem link den er dazu angegeben hat, hierher nochmal kopiert. es waren ja diverse statements zu lesen, warum nich auch von ulli hoeness, glaubst du der hat keine meinung zum thema gewalt oder zivilcourage ...

ansonsten sehe ich das ähnlich wie du, spontanes eingreifen hat nix mehr mit überlegungen zu tun, weil dann kann`s ja mitunter auch schon zu spät sein...

ich habe zu diesem thema von alex in seinem forum (grundgesetz-aktivierer), einen link gesetzt, vllt. hörst du dir das einfach mal an bevor du vorschnell sagst, das alle die wegschauen, bzw. wegrennen, feiglinge sind, denn zivilcourage in solchen situationen kann auch schon mal richtig nach hinten losgehen...
das ist ein sehr zweischneidiges schwert, die, die herum stehen + gaffen, die sollte man wenn möglich auch belangen, wegen unterlassener hilfeleistung meine ich, denn wenn man sich schon nich traut ein zu greifen, kann ich anderweitig hilfe holen, fast jeder hat z.b. ein handy dabei.....
aber wie gesagt, es ist sehr schwer zu differenzieren...



http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/ ... Id=5521808

SWR 3 Saarlandwelle

07.02.10 Zivilcourage: Wenn Helfer zu Opfern werden

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dem traue ich nie, der einmal treue brach.
william shakespeare


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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#28Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 25. Jun 2011, 18:18 
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Das Urteil möchte ich auch gerne lesen, wegen versuchten Totschlags und schwerer Vergewaltigung in Mittäterschaft (§ 25 StGB) ist da offenbar niemand verurteilt worden, nur der "Haupttäter" wegen "einfacher" Vergewaltigung und die anderen wegen Beihilfe dazu.

Zitat:
15. Januar 2011, es ist 2.50 Uhr, Berlin. Jenny K.* (22, ein Kind) und ihr Freund Max S.* (24) sind nach einem Bowling-Abend auf dem Heimweg. Sie treffen auf die Bande, die ihr Leben zerstören wird. Tarkan (16), Reda (17), Patrick (18), Nico (19).

Der Älteste ist es, der Max S. urplötzlich eine Wodka-Flasche auf den Hinterkopf schmettert. Der Metallarbeiter sinkt zu Boden. Immer wieder versucht er, sich aufzurichten. Vergeblich.

Seine Freundin kniet sich zu ihm. Doch die Jugendlichen treten ihr in den Unterleib, sie taumelt zur Seite.

Die Schläger treten Max S. immer wieder gegen den Kopf, bis er bewusstlos wird. Noch heute fällt Max S. das Sprechen schwer. Die Ärzte können nicht sagen, ob er Hirnschäden behält.

Doch die Misshandlungen von Max S. sind erst der Beginn der Gewalt-Orgie. Die Jugendlichen zerren seine Freundin Jenny K. auf einen Parkplatz. Dort verlangt der 18-jährige Patrick, ein Maurerlehrling mit Milchbubi-Gesicht, von der jungen Frau, „sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen“ (Justiz-Deutsch). Dann vergewaltigt der Milchbubi sie zum ersten Mal, die anderen sind johlende Zeugen. Sie zwingen das Opfer zu stöhnen. Tarkan filmt das Abscheuliche mit seinem Handy .

Die Bande schleppt die junge Mutter zu einem Sportplatz. Die nächste Vergewaltigung, wieder ist es Patrick W. Doch er hat nicht genug! Gemeinsam mit Kumpel Nico zieht der Lehrling das Opfer zu einem Hochhaus. Vergewaltigung im Hausflur, dann auf einem Durchgangs-Balkon. Jedes Mal ist es der 18-jährige Patrick W., die anderen stehen im Kreis drum herum.


(...)

Richter Kay Dieckmann sprach gestern die Urteile: Fünfeinhalb Jahre Haft für Haupttäter Patrick W., zwischen drei und knapp vier Jahre wandern die grölenden Komplizen hinter Gitter.


Quelle: bild.de

Übrigens hat der junge Mann noch einmal Glück im Unglück gehabt, dass er nicht mehr geschafft hat, aufzustehen. Wenn er einen der Angreifer, der vllt. einen halben Kopf kleiner gewesen wäre als er, schwer verletzt hätte, hätten die Verantwortlichen für die lächerlichen Urteile gegen Gewaltverbrecher und die damit verbundene Ermutigung für das Pack, so weiterzumachen, sein Notwehrrecht abgeleugnet und er wäre für mehrere Jahre in den Knast gegangen:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0 ... 20,00.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#29Ungelesener BeitragVerfasst: So 26. Jun 2011, 14:06 
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Aaah ja. Da ist sie wieder, die alte Geschichte. Unvollständig erzählt, nicht belegt, aber immer und immer wieder angebracht, egal ob's zum Thema paßt oder nicht.

:boredom:


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 Betreff des Beitrags: Re: Die gewalt der Jugendlichen und die Konsequenzen
#30Ungelesener BeitragVerfasst: Mo 12. Sep 2011, 18:37 
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Anlässlich eines aktuellen BGH - Urteils habe ich den alten gmx - thread heute noch einmal nach oben gehievt:

Zitat:
Das aktuelle Urteil des Bundesgerichtshofes muss ich hier noch nachtragen:

http://www.bild.de/regional/hamburg/totschlag/bgh-kippt-urteil-bewaehrung-fuer-20-cent-killer-19858054.bild.html

"09.09.2011 — 16:51 Uhr Hamburg/Karlsruhe – Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen 20-Cent-Killer Onur K. (18) als zu hart befunden und aufgehoben. Jetzt wird sein Fall ab Dezember in Hamburg neu verhandelt. Der Prozess könnte zu einer Bewährungsstrafe für den Täter führen."

Aha, drei Jahre und vier Monate Jugendstrafe sind zuviel für so einen typischen Tottreter.

Mal nacheinander:

1. Der angetrunkene Dachdecker wird niedergeschlagen, verletzt sich beim Aufprall so schwer, dass ein Gutachter später die Folgen als Todesursache ansieht, was die Ursächlickeit der nachfolgenden Tritte gegen den Kopf für den Todeseintritt ausschließt.

2. Die Täter müssen vorzeitig aus der U-Haft entlassen werden, weil die Haftrichterin wg. des Vulkanausbruchs zu spät aus dem Urlaub zurückkommt und den letztmöglichen Termin für die Eröffnung des Hauptverfahrens während der U-Haft verpasst.

3. Das Gericht sieht keinen Tötungsvorsatz und verurteilt die beiden Täter zu unter 4 Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge, es hätte auch wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit versuchtem Totschlag oder gar Mord verurteilen können, das wäre auch nach dem Gutachten noch drin gewesen. Beide hätten knapp 10 Jahre bekommen können.

4. Trotz des extrem glimpflichen Ausgangs des Prozesses in 1. Instanz für die Angeklagten kommt einer der beiden jetzt auch noch mit einer Revision durch, die ihm voraussichtlich zu einer Bewährungsstrafe in der Neuverhandlung nach Zurückverweisung verhilft.

Der angeblich "untypische Kausalverlauf" (Häh? Umhauen + auf dem Kopf herumspringen = Todeseintritt ist untypisch???????) kann praktisch immer behauptet werden, wenn das in diesem Fall möglich ist. Jetzt fehlt nur noch, dass der Mörder von Dominik Brunner ein Wiederaufnahmeverfahren durchbekommt, weil der Tod durch Herzinfarkt während einer Prügelatacke ja auch untypisch ist.

Was sagt uns das Ganze? Kann da noch irgendjemand irgendeine Art von Staatsvernunft erkennen, die an einem friedlichen Zusammenleben aller Menschen orientiert ist.

Ich kann das - wie kürzlich andernorts gelesen - auch nur noch als Demonstration von purer Macht einordnen, die dem ehemaligen Pseudo - Volkssouverän unseres Jux - GG seinen wahren Platz als Untertan zu Füßen der Justizfürsten und anderer Staatsmächtiger vorführen soll. Je größer das Unrecht, dass sie diese Machtmenschen aus der Sicht der Knechte erlauben können, desto gefestigter ihre absolute Macht.

Die brauchen sowas zur Selbstbestätigung, so wie die Hohepriester der ersten von Menschen geschaffenen Kulturen Menschenopfer zur Dokumentation und Verfestigung des Absolutheitanspruches ihrer Götter brauchten.


http://meinungen.gmx.net/forum-gmx/post/11689924?sp=56#jump


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